Andacht

So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lukas 15,10

Es geht um die Freude! Um ihr nachzuspüren, lohnt es, sich an das Gleichnis vom „Verlorenen Groschen“ zu erinnern, das diesem Spruch vorausgeht. Jesus erzählt von einer Frau, die ein wenig merkwürdig ist. Wegen einer geringwertigen Münze stellt sie das ganze Haus auf den Kopf. Sie fegt und sucht sorgfältig, bis sie die verlorene Münze wieder gefunden hat. Wie kann man nur so einen Aufwand treiben!

Die Frau ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen, damit sie sich mit ihr freuen. Das wäre bei mir anders. Wenn ich wieder mal den Schlüssel verzweifelt suche und ihn dann finde, dann würde ich vielleicht meiner Frau und den Kindern eine erleichterte „Gefunden“-Meldung per WhatsApp zukommen lassen. Aber ein Fest feiern? Dazu bin ich zu beschäftigt - vielleicht auch zu sparsam. Doch genau so eine verrückte Geschichte erzählt Jesus.

Was entdecke ich beim Nachsinnen? Zunächst entdecke ich, wie Jesus hier von Gott erzählt. Gott gleicht dieser merkwürdigen Frau. Er stellt das ganze Haus auf den Kopf auf der Suche nach jedem kleinen verlorenen Menschen.

Nach meiner sparsamen Rechnung lohnt das doch gar nicht. Aber so rechnet Gott nicht. Ja er wird von Jesus mit dem Bild dieser Frau beschrieben, die auf den Knien herumrutscht und sich bückt und sich schmutzig macht, um das Verlorene zu finden.

Warum sucht Gott so mühsam und wartet nicht darauf, dass die, die sich verloren fühlen ihn suchen? Gott hat Sehnsucht. Er sehnt sich nach der Freude über Gefundenes. Und mit seiner Sehnsucht und seiner Freude steckt er seine Engel an, also diejenigen, die er schickt. Vielleicht reklamieren Sie spätestens jetzt und erklären: Es geht hier doch darum, dass ein Sünder Buße tut. Das ist doch eine ernste Sache, sowieso in unserer Zeit, wo kaum einer mehr rechtschaffen über sich nachdenken will und dann Schritte geht, um sein Verhalten zu ändern. Wo ist hier etwas von der teuren Gnade zu spüren, wenn das keine Mühe kostet? Billig geht es hier aber gerade nicht zu. Wenn Gott sich wie diese Frau anstrengt und abmüht und sucht, ohne aufzugeben, dann ist dies nicht billig. Und wenn ein Mensch dies entdeckt und von Gott gefunden zu ihm umkehrt, dann wird hier nichts billig hinterhergeworfen. Wer entdeckt, dass Gott so sehr nach ihm gesucht hat, der hat verstanden, wie weit er von Gott entfernt war. Solche Erkenntnis ist nicht billig. Sie kostet den edlen Menschen und zeigt meinen Hochmut, meinen Egoismus und meine Rechthaberei. Oder sie kostet den großen Helden und zeigt meine erbärmliche Lebenslüge. Oder die Erkenntnis kostet die bewunderte Fassade und zeigt, wie arm es dahinter aussieht mit der Liebe, die bereit ist, alles für den anderen hinzugeben.

 

Gebet:

Barmherziger Gott, suche mich! Ich will nicht im Verborgenen bleiben- mit meinem Hochmut, meinem Egoismus, meiner Rechthaberei, mit meiner Lebenslüge. Nein – das will ich nicht, sondern Dir Freude bereiten und als Gefundener mit Dir feiern.

 

Ihr
Pfarrer Ulrich Schineis