Andacht

 

"Glaube mir, ich habe es erfahren,du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was kein Lehrmeister dir zu hören gibt."

Bernhard von Clairvaux
Brief (ep. 106) an Heinrich Murdach

 

Liebe Gemeinde,

ich sitze beim Zahnarzt und warte auf meinen Termin. Eine Zeitschrift liegt herum. Ich blätter' diese oberflächlich durch.

Da ist ein Artikel, an dem ich hängenbleibe. Es geht um Gartengestaltung. Das interessiert mich. Denn in unserem Garten bin ich sehr gerne und staune immer wieder, was über die Jahre gewachsen und geworden ist. Sehr dankbar denke ich zurück, wie vor Jahren – nach dem Pfarrhausneubau - so viele Helfer zusammengearbeitet hatten, um den Gartenplan von Christoph Wegner aus Frickenhausen real werden zu lassen. Danke Euch nochmals. Vielen, vielen Dank!!

Im eingangs erwähnten Zeitungsartikel wird der Garten in verschiedene Zonen unterteilt, die miteinander im Wechselspiel sind. Die Überschrift lautet: „Der Permagarten“. Seltsam denke ich erst. Wieder mal ein neues Wort für Altbekanntes??Ich lese mich dennoch etwas ein. Das Wort bedeutet wohl so etwas wie ein sich selbst stabilisierender und möglichst naturnaher Garten. Später forsche ich dann im Internet nach diesem Begriff  und finde etwas Erstaunliches heraus:

Am Anfang dieser Entwicklung stand ein Mensch, der hungernden Menschen helfen wollte. Da wollte einer die Wüste begrünen und die Hungersnöte der Menschheit bekämpfen – und das ohne Chemie.

Ein wichtiges Grundprinzip dieser Gartenanlagen ist, keine naturfremde Technik und Chemie anzuwenden. Denn das bedeutet letztendlich, dass Forscher, Firmen und Finanzen über den Erfolg entscheiden.

Aber diese kapitalistische Lebensweise, diese von der Natur entfremdete Kultur hat uns schon lange im Griff – leider oft auch die Kirche – und erzeugt meistens Abhängigkeiten.

Im Garten geht es auch anders. Es gibt auch die Möglichkeit mit einfachen Mitteln, mit dem was da ist, erstaunliche Effekte zu erzielen. Mit großen Steinen zum Beispiel ist es möglich, Wärme und Feuchtigkeit in den Boden zu bringen und dort zu halten. Erdbeerpflanzen mögen das sehr. Denn die Steine speichern die Wärme in den Boden hinein  - wenn die Sonne scheint, aber die Luft noch kühl ist. Wird es heiß, dann trocknet die Sonne unter den Steinen den Boden nicht so schnell aus. Die Insekten mögen es, die Pflanzen auch.

Nun wollte ich nicht über Gartenarbeit etwas schreiben, sondern etwas über unsere Gemeindearbeit in Buxach Ihnen näher bringen.

Ich bin der Meinung: Die Kirche Jesu Christi ist dann am gesündesten, wenn sie die Dinge verwendet, die Gott ihr in den Garten legt. Sein Wort, seinen Geist, Begabungen, liebende und sorgende Menschen, besondere Lieder, ein besonderes Gebäude. Strategien, Techniken und von oben verordnete Umbauprozesse halte ich persönlich für zweitrangig wichtig.

Auf der persönlichen Ebene ist es meiner Meinung nach genauso.

Gelingendes geistliches Leben ist aufmerksam und hellwach für das, was Gott in den inneren Garten hineinlegt. Etwa ein Bibelvers, der auch noch am nächsten Tag betrachtet wird. Ein gutes Gespräch, das dankbar ins Abendgebet mit eingeschlossen wird. Ein Traum, den man am Morgen niederschreibt und in der Woche auf sich wirken lässt. Ein Lied, das in einem nachklingt – und weil es so ist, lernt man den Text auswendig. Ein Hoffnungsbild, das einen durch schwere Zeiten trägt. Eine besondere Erfahrung in Gottes Schöpfung – durch die man spürt, das große Gegenüber, der Schöpfer versteht mich und leitet mich.

Es ist so vieles schon da, greifen Sie zu, halten Sie dankbar daran fest.

All das gerade gesagte erinnert mich an einen Psalmvers:

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn traut! (Psalm 34, 8)

Gebet: Gott – lege in meinen inneren Garten, was ihn gesund und fruchtbar macht. Lass mein geistliches Leben gelingen und blühen, sodass es mir und anderen Freude bereitet und dich ehrt.


Ihr Pfr. Ulrich Schineis