Monatsandacht
| Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass eine Kraft -größer als wir selbst - Wiederherstellung bewirken kann. (Zweiter Schritt der 12 Schritt Gruppen). |
„Ich bin mein eigener Herr!“ rufen wir uns selbst zu und versuchen diese Überzeugung so gut und so lange wie möglich umzusetzen. Wir pflegen die Illusion der Autorität über das eigene Leben mit allen Mitteln. Wir herrschen, leben und verfolgen eigene - manchmal egoistische - Ziele.
So lange es geht, verschließen wir davor die Augen, dass sich mit der Zeit fremde Kräfte in unserem Inneren ausgebreitet haben. Lange dauert es, bis wir der schmerzvollen Realität in die Augen schauen können: In unserem Territorium gibt es Verwüstungen und Verwerfungen. Stürme sind darüber hinweggefegt. Das Schlimmste dabei ist zu erkennen: Wir werden der Situation alleine nicht mehr Herr.Vorboten dieser Erkenntnis sind Schmerz, Trauer, Wut und Frustration. Negative Gefühle quellen immer wieder ungewollt und doch machtvoll an die Oberfläche unseres Bewusstseins. Denn wir fühlen uns zutiefst verantwortlich für das zerstörte Areal unseres Lebens, die verletzte Landschaft in uns.
Einst durften und wollten wir darin Könige und Herrscherinnen sein - und müssen nun erkennen, dass unsere Herrschaft nicht zum Wohl des Landes geführt hat. Mit unserer Autorität sind wir am Ende.
Aber unser Land geben wir nicht der Verwüstung Preis. Wir überlassen es nicht zielloser Brache, sondern gehen den letzten und vielleicht mutigsten Schritt.Wir wenden uns an Gott und bitten: Dein Reich komme – dein Wille geschehe. „Zum Glauben kommen“ darüber, dass es eine höhere Kraft gibt, der man sich anvertrauen kann, ist in gewissem Sinn wie die Übergabe von ehemals eigenem Territorium. Aber auf diese Weise geben wir das Land nicht auf! Sondern wir legen es in die Verantwortung einer höheren Macht.
Unseren Kopf, in dem viele Meinungen herumschwirren. Unser Herz, das wir aufgrund von vielen Verletzungen gewohnt sind zu verschließen. Und auch unseren Körper - verwöhnt und vernachlässigt wie er ist - überlassen wir der Kraft, die größer ist als wir selbst. Das Öffnen dieser Räume ist geistliche Arbeit – die am besten in einer authentischen Gemeinschaft gelingt.
Pfr. Ulrich Schineis