Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!
(Jesaja 60,1)

„Mache dich auf, werde licht“ – das ist eine ungewöhnliche Aufforderung. Leider ist das nicht so einfach. Eine Lichterkette schließen wir ganz leicht ans Stromnetz an. Aber bei uns suchen wir den Anschlussstecker zur Energiequelle oft vergebens.

Wie könnte er wohl aussehen? Ein Spaziergang im Winterwald? Ein   Kirchgang? Ein gutes Buch über den Glauben an Jesus Christus? Ein Gespräch mit einer Person, die mir hilft, mein Herz für Gott zu öffnen?

Als dieses Wort zum ersten Mal durch den Boten Gottes, Jesaja, ausgesprochen wurde, gab es sicher auch ein Rätselraten, wie das gelingen soll. Denn dieses Wort traf auf Menschen, die am Boden zerstört waren. Ihre Heimat war nicht mehr ihr Zuhause. Ihre Welt war im Umbruch. Das was früher gut war, gab es nicht mehr. Jeder musste schauen, wie er diese Zeit überleben könnte. Wie sollte man da noch Hoffnung haben? Wohin man blickte, Probleme, Bedrohung, Chaos.

Dieses Wort des Propheten Jesaja ist auf Hebräisch eine Aufforderung an eine Frau. Denn der Stadt Gottes -Zion/Jerusalem-, wird gesagt: „Steh auf! Werde hell!“. Das ist keine flapsige Redeweise nach dem Motto: „Kopf hoch, es wird schon wieder.“
Dieses Wort will aus der Niedergeschlagenheit
aufrütteln und diejenigen, die es betrifft gleichzeitig entlasten.
Nicht dein Licht musst du aufscheinen lassen, sondern dich bereit machen für das Licht, das dir entgegenfließt. Gott persönlich erscheint, damit es wieder hell wird.
Das weibliche
Du, Jerusalem, kann aufstehen und erstrahlen und Babylon soll herabsteigen und sich in den Staub setzen (Jes 47,1).

In jüdischen Familien wird in diesen Tagen Kerze für Kerze der achtarmigen Chanukkaleuchter entzündet. Mit diesem Lichterfest erinnern sich Juden daran, dass der 2.Tempel in Jerusalem 164 v. Chr. wieder eingeweiht wurde und dort der Leuchter ewig leuchten sollte. Im Jahr 70 n. Chr. vermochten
die Römer den Tempel und den Leuchter zu zerstören, aber das Licht konnten sie nicht aufhalten, seitdem wird in den jüdischen Familien zu Hause das Lichterfest gefeiert.

Als Christen glauben wir: Jesus Christus verkörpert die Herrlichkeit Gottes. Allen Menschen, die für ihn ein Gespür entwickeln, kann ein Licht aufgehen. Die heraufbrechende Finsternis hat so bereits ihren Schrecken verloren, bevor sie alles leuchtende Leben verschlingt.

In Jesu Licht, in seiner Gegenwart, in seiner Obhut kann ich aufstehen zu einem neuen Leben. Aufrecht gehen und strahlend sein– auch in dunkler und schwerer Zeit.
Was wäre das für eine Adventszeit, in der es nicht nur um mich herum hell wird, sondern in mir. Und durch mich in anderen. Werde licht, denn dein Christus kommt!

Gebet:
Jesus Christus, in mir ist es finster, aber Du bist das Licht.
Meine Stimmung ist traurig, aber Du bist der Gesang.
Mein Herz ist verzagt, aber Du bist meine Hoffnung.
Licht, Gesang, Hoffnung – ich sehne mich danach
und strecke mich aus nach Deinem Advent.

Pfr. Ulrich Schineis