Ganz besondere Früchte

Ja, es wird bald Sommer! Wieder mit Wärme und Licht „betankt“ werden – darauf freuen wir uns. Überall grünt und blüht es. Bald reifen die ersten Früchte im Garten heran. Ein guter Zeitpunkt, um einmal über die unsere „Glaubens – oder Geistesfrüchte“ nachzudenken.

Was bringen wir Christen eigentlich für „Früchte“ hervor? Vermitteln wir dieselbe Kraft und Lebensfreude, wie es die Natur im Frühjahr tut? Ist aus unserem Wesen und Handeln spürbar, dass wir uns für unsere alltäglichen Lebensvollzüge und Begegnungen von Gott inspirieren lassen?

Der Apostel Paulus hat in einem Brief an die Christen in Galatien klare Maßstäbe gesetzt:  Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Gal 5,22-23 (E)

Für viele Christen mag das selbstverständlich klingen. Es gehört zu den Grundlagen christlicher Ethik, sich an Werten wie Friedfertigkeit, Geduld, Sanftmut, Treue, etc. zu orientieren.
 
Doch wie sieht es im Alltag aus?
Die wenigsten Menschen genießen ein Leben, in dem immer Frühjahr oder Sommer herrscht. In Konfliktsituationen werden Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung auf harte Proben gestellt.Oft gelingt es dann nicht, diese Früchte ernten zu können oder anders gesagt: schmackhaft für andere werden zu lassen. Und das, obwohl sie gerade in schwierigen Situationen und Konflikten so dringend nötig sind! Was wohl ihr Wachstum behindert haben mag? Vielleicht haben wir zu wenig beachtet, dass diese Früchte nicht mit unserem Alter einfach mitwachsen. Sie wachsen auch nicht proportional zu unserem Glaubensverständnis. Sie gedeihen nicht entsprechend der Anzahl unserer Gottesdienstbesuche. Sie gedeihen auch ganz bestimmt nicht im Klima von verbissener, eigener Anstrengung oder religiöser Linientreue. Denn es sind schlichtweg „Früchte des Geistes“! Das bedeutet, dass wir nur der Boden sind, in dem diese Tugenden heranwachsen. Aber die Pflanze, an der die von Paulus angepriesenen Früchte hängen ist der Geist Gottes, der in uns durch den Glauben an Jesus Christus begonnen hat, zu wirken.
 
Was wäre, wenn mehr Christen diese Geistesgegenwart leben würden? Wenn weniger Christen sich selbst zum Gutmenschen zwingen würden? Was wäre, wenn stattdessen immer mehr Christen Gottes Geist einladen würden, in ihnen gute Früchte hervorzubringen? Wenn mehr Kinder Gottes das Licht seiner Liebe leuchten lassen könnten – auch im Winter unserer Welt? Welch eine himmlische Vorstellung!
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen von Gottes Geist erfüllten Sommer, dessen Früchte Ihnen und Ihren Mitmenschen das Leben versüßen.

 

Gebet:
Geist Gottes, die Menschen um mich herum sehnen sich nach Liebe, Treue, Sanftmut, Güte deswegen bitte ich dich, in mir kraftvoll zu wirken – und in mir und trotz mir – deine kostbaren, ganz besonderen Früchte
hervorzubringen.

Pfr. Ulrich Schineis