Liebe Gemeinde,

Jesus Christus macht die Entscheidung über die endgültige Gottesgemeinschaft der Menschen von der gelebten Solidarität mit den Geringsten abhängig. Wir lesen im Matthäusevangelium: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen … Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,34-36.40)

Die persönliche Zuwendung zu den Armen, „Kaputten“  und Ausgegrenzten ist laut Jesus also ein Ort der Gottesbegegnung. Üblicherweise verbinden wir eine Gottesbegegnung mit besonderen Momenten, in der wir unsere Seele mit ihrem Schöpfer ins Gespräch – ja vielleicht sogar in Einklang bringen. Für diesen besonderen Moment der Begegnung mit Gott, – also für eine Zeit der Anbetung und des Gesprächs und des Hörens auf Gott – gehen wir gerne in die Kirche. Nicht so regelmäßig wie früher – aber wenn wir kommen, dann sehr gerne. Zu recht, denn eine Begegnung mit Gott ist umwerfend. Ganz bestimmt. In dieser Begegnung wohnt so viel Zuwendung, dass unser Leben überströmend werden kann.

Kein Wunder, dass uns Jesus gleich wieder die Gemeinschaft mit Menschen, die dringend unsere Zuwendung brauchen, aufs Herz legt. Anders gesagt: Wer in die Gottesbegegnung eintaucht, taucht neben dem Armen, neben seinen bedürftigen Nächsten wieder auf.

Hier meine Frage: Kennen Sie eine Person, eine Familie, die im Schatten des Wohlstands lebt – oder die aufgrund der Pandemiemaßnahmen in eine Schieflage gerutscht ist? Noch niemanden? Ich bin mir ganz sicher: Da ist bestimmt jemand, der auf Ihre Zuwendung wartet.

Für die Osterzeit haben wir uns deswegen überlegt, wie schön es wäre, wenn Sie Ihre Osterfreude weitergeben können … eben besonders auch an Menschen, deren Not Sie nicht in Ruhe lässt, oder an Menschen, bei denen Sie spüren, das würde ihnen gut tun. Wir haben Tüten vorbereitet, Sie können sich zwei nehmen, eine für sich und eine zum Verschenken. Eben: Geteilte Freude.

Möge der Friede Gottes Ihre Begegnungen segnen. Seien Sie ein Segen.

Gebet: Jesus du beschenkst mich – und nun möchte ich die Freude darüber fließen lassen und mich verschenken. Führe meine Schritte, zeige mir den Menschen, der sich nach Deiner Zuwendung sehnt.

Ihr Pfr. Ulrich Schineis